Wie mache ich schöne Bilder vom Silvesterfeuerwerk?

Die ideale Voraussetzung ist eine Kamera, an der die Einstellung von Blende, Verschlußzeit und Entfernung manuell gemacht werden kann. Dies betrifft also häufig Spiegelreflexkameras, aber auch einige Modelle der Bridge- und Kompaktkameras sind dazu in der Lage. Der in den Kameras verbaute Blitz muss unbedingt deaktiviert werden. Der Blitz würde nur unnötig Energie aus dem Akku ziehen und unerwünschte Effekte könnten im Bild auftreten. Das Thema Blitz werde ich in einem späteren Artikel besprechen. Ebenso ist eine Verwendung der automatischen Belichtung beim Fotografieren von Feuerwerk nicht möglich, da sowohl der Autofokus gegen den schwarzen Nachthimmel nicht scharfstellen kann, die Feuerwerkskörper zu punktuell ihr Licht werfen und somit die Belichtungsautomatik zu sehr den dunklen Himmel in die Ermittlung der korrekten Blenden-Verschlußzeit-Kombination mit einbeziehen würde. Die Bilder werden flau, der Himmel grau und die Feuerwerkslichtspuren ergeben nur weisse Streifen. Nun hat ja fast jeder ein Smartphone, dies – soll man der Werbung glauben – fast alles kann bzw. noch besser als herkömmliche Kameras sein soll. So grundsätzlich kann auch ich das nicht abstreiten. Sobald eine der wenigen ausgefeilten Apps für Fotografie, wie z.B. PhotoToaster und ProCam, installiert ist, sind ähnliche Einstellungen wie bei den oben genannten Kameras möglich. Egal welche Variante zur Verfügung steht, ein Stativ oder ein fester Kamerastandpunkt muss vorhanden sein, denn die Bilder sollen bei den Verschlusszeiten von mehreren Sekunden oder sogar “Bulb” (Dauerauslösung) nicht verwackeln. Ein schönes Bild steht und fällt mit einem guten Objektiv, einem Stativ und dem Fotografen. Es muss keine teure Kamera sein, um gute Bilder machen zu können.

Auch wenn die Methode, die ich jetzt beschreibe, von der analogen Fotografie mit Filmen bekannt ist, so hat sie nichts an Aktualität verloren. Bei analoger wie auch digitaler Fotografie finden die gleichen physikalischen Gesetze auf der lichtempfindlichen Schicht (Film oder Sensor) statt.

Das beste Dateiformat für die Fotografie ist das RAW-Format. Ist diese Funktion in den Einstellungen der Kamera nicht möglich, sollte die beste (höchste) Qualitätsstufe oder das unkomprimierte JPEG-Format gewählt werden. Bei einer Kompression mit dem JPEG-Verfahren können sog. Artefakte vermehrt in den dunklen Himmelsbereichen auftreten und das Bild optisch stören bzw. eine nachträgliche Bearbeitung mit einem Bildbearbeitungsprogramm erschweren.

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So effektvoll Feuerwerksfotos sind, so einfach ist die Aufnahmetechnik:

Kamera auf das Stativ, ein möglichst lichtstarkes Objektiv und Gegenlichtblende aufsetzen, die manuelle Entfernung auf “unendlich” und die Blende um 5,6 (genauere Werte weiter unten) und Verschluss auf Zeit (“B” oder “Z”) einstellen. Bei den ersten Raketen Bildausschnitt wählen und Kamera am Stativ festklemmen und ISO-Zahl auf 100 setzen. Bitte keine Einstellung der ISO-Zahl auf 800 und darüber, da bei den meisten Kameras sensorbedingt ein starkes Bildrauschen entsteht. Obwohl durch eine höhere ISO-Zahl kürzere Belichtungszeiten möglich sind, entstehen nicht so schöne Bilder. Die Leuchtspuren brennen ab ISO400 aus und sind überbelichtet.

Also:
Stativ – Kamera – ISO100 – Blende 5,6–11 (je nach gewünschter Intensität der Feuerwerksfarben) – Verschluss “B” (für mehrere Feuerwerkskörper auf demselben Foto oder lange Zeiten (t) ab 1sec)

Jetzt wird der Verschluss geöffnet – am besten mittels Draht-, Fern- oder Selbstauslöser – und jetzt heisst es warten, bis einige Feuerwerkskörper innerhalb des Bildfeldes aufgestiegen und explodiert sind.
Die Dauer der Verschlussöffnung wird allein von der Anzahl, Stärke und Ausdehnung der Raketen bestimmt. – Bei mehr als 2 bis 3 besteht allerdings die Gefahr einer verwirrenden Vielzahl von Leuchtreifen und damit gleichzeitig einer Überbelichtung, besonders bei größerer Blende (kleine Blendenzahl).

Die Sache mit dem Hut.
Starke feststehende Lichtquellen im Bildfeld würden bei langer Belichtungsdauer überstrahlen: zwischen den Raketenaufstiegen einfach einen Hut oder ein Baseball-Cap über das Objektiv halten ohne es zu berühren. – Dies gilt übrigens für jede längere Pause, selbst ohne Lichtquellen. Fremdlicht, wie Straßenlaternen und sogar die Sterne sorgen dafür, dass der Himmel zu hell wird.

Standpunkt – Wasser – Wind
Ein erhöhter Standpunkt ist immer günstig (z.B. der Teufelsberg in Berlin-Charlottenburg). Bei Feuerwerken am oder auf dem Wasser gibt es die Möglichkeit die Spiegelungen mit aufzunehmen. Interessant wirken auch Aufnahmen mit Steigbahnen (Raketenantrieb). – Romantische Vorder- oder Hintergründe erscheinen auch oft in Aufnahmen. Sind jedoch nicht für jede Aufnahme geeignet, da die Aufnahmen vom Feuerwerk vielleicht später in andere Bilder “gephotoshoppt” werden. – VORSICHT! Bei starkem Wind und preisgünstigen Stativen können verwackelte Leuchtreifen entstehen! Stativ ist nicht gleich Stativ: “je leichter desto besser” ist verkehrt!

Tabelle: Feuerwerk

  • geringe Ausdehnung und Anzahl
    ISO75/100
    Blende 5,6–8
    ISO 200–400
    Blende 11–16
  • mittleres Ausdehnung und Anzahl
    ISO75/100
    Blende 5,6–8
    ISO 200–400
    Blende 8–11
  • großes Ausdehnung und Anzahl
    ISO 75/100
    Blende 4–5,6
    ISO 200–400
    Blende 5,6/8 – 8/11

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Viel Spaß und viel Erfolg beim Ausprobieren!

Ich wünsche allen einen guten Rutsch ins Jahr 2016.

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